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Europäischer Laubfrosch (Hyla arborea)
| Dieser Artikel wurde von Klaus Marschall, Lohr/Main verfasst |
| Verbreitung | Beschreibung | Schutz | Lebensraum | Haltung | Futter | Zucht | Literatur |
In ganz Deutschland, doch mit unterschiedlichen
Verbreitungsdichten. Als Art, die die Wärme liebt, bewohnt er nicht
die höheren Lagen der Mittelgebirge. In manchen Gegenden ist er auch
schon ausgestorben.
In Europa findet man die Art von Süd-Portugal über Frankreich
bis nach Südskandinavien, durch Mittel und Südeuropa bis nach
Russland und dem Kaukasus. Auf den Britischen Inseln kommt der Laubfrosch
nicht vor.
Einige der früheren Unterarten, vor allem aus Südeuropa, werden
als eigene Arten angesehen. Die Pflege dieser Tiere ist dann analog. Nur
das Temperaturbedürfnis kann je nach Herkunft etwas höher liegen.
Größe 4-5 cm. Weibchen meist etwas
größer als die Männchen.
Der Frosch ist gras- oder blattgrün gefärbt. Manchmal auch
bräunlich oder bläulich. Der Laubfrosch kann blitzschnell seine
Farbe wechseln. Dies macht er zur Anpassung an die Umgebung oder als Reaktion
auf Stresssituationen.
Seine Unterseite ist weißlich. Ober- und Unterseite sind durch
eine schwarze Linie getrennt. An den Beinen befinden sich Haftzehen, mit
denen der Frosch hervorragenden an allen glatten Gegenständen hochklettern
kann.
Die Pupille ist waagrecht, der Kopf abgerundet und das Trommelfell ist
deutlich sichtbar.
Die Männchen haben deutlich dunklere und faltigere Kehle (Schallblase).
Der Laubfrosch gehört in Deutschland
zu den stark gefährdeten Arten. Es dürfen keine Tiere der Natur
entnommen werden. Dies gilt für ganz Europa. Die Haltung der Tiere
ist meldepflichtig.
Die Tiere werden aber oft nachgezüchtet, so dass immer wieder Tiere
angeboten werden.
Der Laubfrosch liebt eine Landschaft aus
Auwäldern, Feuchtgebieten, Wiesen, Hecken und Brachflächen. Darin
sollte es besonnte, flache Teiche und Tümpel geben. Die Gewässer
müssen fischfrei und nicht verkrautet sein. Die kleinbäuerlich
strukturierte Landwirtschaft bot dem Laubfrosch einen idealen Lebensraum.
Zu jeder Weide gehörte ein Tümpel, und das Vieh sorgte durch den
Vertritt dafür, dass der Tümpel nicht verkrautete. Ein dichtes
Netz an Laichgewässern scheint für die Art überlebenswichtig
zu sein. Wo es nur noch inselartige Vorkommen gibt, stirbt die Art aus. Gerade
die moderne Landwirtschaft sorgt durch ihre Technisierung für den
starken Rückgang des Laubfrosches.
Der Laubfrosch ist die einzige einheimische Amphibienart, die klettern
kann und die Sonne liebt. Er sitzt gerne auf höheren Sträuchern
und sonnt sich. Er nimmt regelrechte Sonnenbäder. Ganz besonders liebt
er Brombeerbüsche. Der Laubfrosch ist nachtaktiv.
Der Laubfrosch braucht einen geräumigen
Behälter (vor allem in der Höhe), damit er seinen Kletter- und
Sprungtrieb befriedigen kann. Gut eignen sich große Freilandterrarien
oder alte Gewächshäuser. Da die Tiere sehr gut klettern können,
muss der Behälter nach allen Seiten ausbruchssicher gestaltet sein.
Für gute Belüftung ist zu sorgen.
Eine schwache UV-Bestrahlung scheint das Wohlbefinden der Tiere zu fördern,
auch wenn in der Literatur kaum Hinweise über UV-Bestrahlung zu finden
sind.
Da aber der Laubfrosch in der Natur die Sonne sucht, sollte man auch
im Terrarium auf solche Lichtgaben nicht verzichten.
Ebenfalls sollte ein Wasserbehälter im Becken nicht fehlen. Ganz
wichtig sind Kletteräste und –pflanzen. Die Frösche sitzen im
Becken meist ganz oben und sonnen sich. Die Temperatur sollte zwischen 18°-25°
C liegen. Nachts dementsprechend kühler. Normale Zimmertemperatur ist
ausreichend. Das Terrarium sollte täglich besprüht werden.
Laubfrösche können im Terrarium sehr alt werden. Es sind Alter
bis zu 20 Jahren bekannt.
Interessant ist, dass die Männchen nicht nur im Frühjahr rufen,
sondern auch im Spätsommer/Herbst. Es kann sein, dass die Tiere in
den Abendstunden täglich rufen. Der Ruf unterscheidet sich vom Paarungsruf
des Frühjahrs.
Fliegen, Falter, Grillen, Spinnen, Wachsmotten, Heuschrecken, Heimchen, Wiesenplankton usw.. Teilweise nehmen die Tiere auch Futter von der Pinzette. Aber es sollte auch immer Futter gereicht werden, das den Jagdtrieb fördert. (vor allem Fliegen und Falter).
Nach der Winterruhe findet in der Natur die
Fortpflanzung von April bis Juni statt. Begleitet durch das Rufen der Männchen,
die in den Abendstunden regelrechte Chöre bilden. Das Rufen ist bis
zu einem Kilometer hörbar.
Damit werden die Weibchen an die Laichgewässer gelockt, wo dann
die Paarung stattfindet.
Der Laich wir in haselnussgroßen Klumpen ins Wasser abgelegt (pro
Laichballen ca. 50-70 Eier). Die Gesamtzahl der Eier liegt pro Weibchen
zwischen 600-800 Eiern.
Damit die Zucht in der Gefangenschaft gelingt, ist eine Winterruhe von
4-5 Monaten nötig. Die Temperatur sollte zwischen 4°-6° C
liegen. Entweder in einem kühlen Kellerraum oder im Kühlschrank.
Dabei ist auf die nötige Luftfeuchtigkeit zu achten. Gerade im Kühlschrank
besteht die Gefahr der Austrocknung.
Folgende Methode hat sich bewährt. Man nimmt ein kleines Plastikterrarium
mit dicht schließendem Belüftungsdeckel. Als erste Schicht gibt
man eine Schicht Blähton hinein. Darin kann immer etwas Wasser stehen,
dadurch trocknen die Tiere nicht aus, sitzen aber auch nicht im Wasser (Feuchtigkeit
regelmäßig kontrollieren). Darüber gibt man eine Schicht
Moos und als Abschluss Laub.
Nach der Winterruhe werden die Tiere täglich mit lauwarmen Wasser
besprüht. Dies soll milden Frühjahrsregen simulieren und dadurch
stimulierend auf das Paarungsverhalten wirken. Auch die Beleuchtungsdauer
wird gesteigert (Anpassung an die Lichtverhältnisse in der Natur).
Der Laich wird nach erfolgter Paarung in ein oder mehrere Aquarien überführt.
Es dürfen aber nicht zu viel Kaulquappen in einem Becken sein. Die
Larven benötigen zur Aufzucht Zimmertemperatur.
Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven. Zuerst zehren sie noch
vom Dottervorrat. Die weitere Nahrung besteht meist aus pflanzlicher Kost.
Algen werden mit den Zähnen abgeraspelt. Dazu füttert man Zierfischflocken,
Salat, Spinat, Löwenzahnblätter (alles muss ungespritzt sein).
Als tierische Kost fressen die Kaulquappen gestorbene Artgenossen.
Als erstes erscheinen, wie bei Froschlurchen üblich, die Hinterbeine
und dann die Vorderbeine. Die Tiere haben dann eine Größe von
ca. 40mm. Es wird dann dringend Zeit, den Tieren leichte Ausstiegsmöglichkeiten
zu bieten. Sie können in dieser Phase sehr leicht ertrinken. Man kann
zum Beispiel mit Aquarienkies eine leicht ansteigende Ebene bauen, die ganz
sanft ans Land übergeht. Auf eine sehr gute Abdeckung des Beckens ist
zu achten, da die kleinen Fröschchen mit Ihren Haftzehen auch an Glaswänden
hoch klettern. Man gibt die kleinen, jetzt ca. 1cm großen Tiere, in
ein Terrarium, das ähnlich eingerichtet ist wie das für die adulten
Tiere.
Als Futter reicht man Drosophila, kleinste Heimchen, Blattläuse
(Die Futtertiere vor dem Verfüttern mit Mineralstoffen und Vitaminen
bestäuben).
Die Jungtiere wachsen sehr rasch heran und nehmen bald auch Stubenfliegen,
kleine Heuschrecken, Falter usw. Im Spätsommer/Herbst sind die Frösche
3cm groß und fangen an zu quaken. Sie „üben“ praktisch schon
im Herbst für das Frühjahr. Laubfrösche sind mit einem Jahr
schon geschlechtsreif.
Davies, Robert und Valerie: Das BLV Terrarienbuch,
BLV, München 1998
Herrmann, Hans-Joachim: Laubfrösche, Tetra, Melle 1993
Nietzke Günther: Die Terrarientiere 1 (4. Auflage), Ulmer, Stuttgart
1989
Draco 6/2001: Einheimische Amphibien, Natur und Tier, Münster 2001